Was tun, wenn du ständig krank wirst?

Warum manche Ausdauersportler im Winter dauernd ausfallen – und was du konkret dagegen tun kannst

Der Herbst kommt – und plötzlich geht es wieder los.

Erst ein Kratzen im Hals.
Dann ein paar Tage Trainingsausfall.
Kaum bist du wieder im Training, kommt der nächste Infekt.

Und während du dich von Einheit zu Einheit schleppst, gibt es andere Athleten, die scheinbar problemlos durch den Winter kommen.

Zufall?
Nein.

Wenn du häufig krank wirst, ist das kein Pech. Es ist ein Signal.

Dein Körper zeigt dir, dass etwas im System nicht stimmt.

Das eigentliche Problem: Dein Immunsystem ist unter Druck

Als Ausdauersportler bewegst du dich ständig auf einer schmalen Linie:

  • Auf der einen Seite steht Anpassung.
  • Auf der anderen Seite Überlastung.

Training ist immer ein Stressreiz. Und genau dieser Stress kann – wenn er nicht sauber kompensiert wird – dein Immunsystem schwächen.

Ein bekanntes Konzept ist das sogenannte „Open Window“:

Nach intensiven oder langen Belastungen ist dein Immunsystem für mehrere Stunden anfälliger für Infekte.

Das ist normal.

Problematisch wird es, wenn dieses Fenster nicht mehr geschlossen wird, weil:

  • du zu häufig hart trainierst
  • du zu wenig regenerierst
  • du deinen Körper nicht ausreichend versorgst

Dann wird aus einem kurzfristigen Effekt ein Dauerzustand.

Die häufigsten Ursachen für Infekte bei Sportlern

Wenn Athleten regelmäßig krank werden, sehe ich fast immer eine Kombination aus drei Faktoren:

1. Zu wenig Energie (der Klassiker)

Viele trainieren viel – essen aber zu wenig oder falsch.

Vor allem Kohlenhydrate werden oft unterschätzt.

Die Folge:

  • erhöhter Stress im System
  • vermehrter Proteinabbau
  • geschwächtes Immunsystem

Typisches Zeichen im Blut:

  • erhöhter Harnstoff
  • sinkende Leistungsfähigkeit

2. Leere Speicher (Eisen, Vitamin D, B12)

Das ist der zweite große Hebel.

Wenn dein Körper nicht ausreichend versorgt ist, kann er nicht sauber regenerieren.

Besonders kritisch:

Ferritin (Eisenspeicher)

Ist dein Ferritin zu niedrig, fehlt dir die Grundlage für:

  • Sauerstofftransport
  • Energieproduktion
  • Immunfunktion

Viele Athleten liegen im „Normbereich“, aber unter ihrem optimalen Leistungsniveau.

Vitamin D

Gerade im Herbst und Winter sinkt der Spiegel rapide.

Vitamin D ist entscheidend für:

  • Immunabwehr
  • Entzündungsregulation

3. Zu viel Trainingsstress

Mehr ist nicht immer besser.

Wenn du dauerhaft:

  • hohe Umfänge
  • viele intensive Einheiten
  • wenig Ruhetage

kombinierst, fährt dein Körper das Immunsystem herunter.

Typische Marker:

  • erhöhte CK
  • erhöhte Entzündungswerte
  • subjektive Müdigkeit

Warum Blutwerte hier der Schlüssel sind

Viele Athleten versuchen das Problem über Gefühl zu lösen.

Mehr Pause. Mehr Vitamine. Weniger Training.

Das kann funktionieren – muss es aber nicht.

Blutwerte bringen Klarheit.

Sie zeigen dir:

  • ob du unterversorgt bist
  • ob dein System im Stress ist
  • wo genau dein Engpass liegt

Die wichtigsten Werte bei häufigen Infekten

Wenn du regelmäßig krank wirst, solltest du mindestens folgende Werte prüfen:

Level 1 (Basis)

  • Ferritin
  • CRP
  • Vitamin D

Level 2 (bei Auffälligkeiten)

  • Vitamin B12
  • Transferrin / Transferrinsättigung
  • Harnstoff
  • CK

Diese Kombination zeigt dir ziemlich genau, wo das Problem liegt.

Konkrete Handlungsempfehlungen

Jetzt wird es praktisch.

1. Energiezufuhr sichern

Wenn du viel trainierst, brauchst du:

  • ausreichend Kohlenhydrate
  • regelmäßige Mahlzeiten
  • Energie auch rund ums Training

Das ist keine Option. Das ist die Basis.

2. Ferritin optimieren

Zielbereich für Ausdauersportler:

👉 80–120 ng/ml

Wenn du darunter liegst:

  • Eisen supplementieren (gezielt, nicht blind)
  • Aufnahme optimieren (Vitamin C, Abstand zu Kaffee)

3. Vitamin D stabilisieren

Zielbereich:

👉 50–60 ng/ml

Im Winter oft notwendig:

2.000–4.000 IU täglich
regelmäßige Kontrolle

4. Trainingssteuerung prüfen

Stell dir ehrlich die Frage:

  • Wie oft trainiere ich hart?
  • Habe ich echte Erholungstage?
  • Steigere ich zu schnell?

Mehr Training ist nicht die Lösung, wenn dein System schon überlastet ist.

5. Regeneration ernst nehmen

Schlaf, Ernährung, Stress – das sind keine Nebenthemen.

Das sind Leistungsfaktoren. Der entscheidende Punkt. Wenn du ständig krank wirst, liegt das Problem nicht beim Immunsystem allein. Das Immunsystem ist nur der Indikator.

Das eigentliche Problem ist fast immer:

👉 ein Missverhältnis aus Belastung und Versorgung

Mein Fazit:

Häufige Infekte sind kein Zufall und kein Zeichen von „schwachem Immunsystem“.

Sie sind ein klares Signal.

Wenn du:

  • dein Training sinnvoll steuerst
  • deine Energiezufuhr sicherst
  • deine Blutwerte im Griff hast

wird dein Körper stabiler, belastbarer und leistungsfähiger.