So bekommst du Achillessehnenbeschwerden in den Griff
Morgens nach dem Aufstehen sind die ersten Schritte unangenehm. Die Achillessehne fühlt sich steif an, vielleicht zieht sie ein wenig. Nach einigen Minuten wird es besser – und beim Laufen verschwindet das Problem zunächst sogar.
Also weitertrainieren?
Das kann eine Weile funktionieren. Irgendwann meldet sich die Sehne aber möglicherweise früher, stärker oder auch nach dem Training. Aus dem kleinen Ziehen wird ein Problem, das Läufer über Monate oder sogar Jahre begleiten kann.
Ich kenne das nicht nur aus meiner Arbeit als Trainer. Mit meiner eigenen Achillessehne habe ich praktisch meine gesamte aktive Zeit als Triathlet gekämpft. Ich habe vieles ausprobiert – einschließlich längerer Laufpausen. Wirklich dauerhaft verschwunden sind die Beschwerden dadurch nicht.
Heute laufe ich seit Monaten beschwerdefrei, sogar ohne Einlagen.
Was sich verändert hat? Dazu später mehr. Denn meine eigene Erfahrung zeigt ziemlich gut, warum ich bei Achillessehnenbeschwerden nicht an die eine Wunderübung glaube.
Warum die Achillessehne beim Laufen so viel aushalten muss
Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein. Beim Laufen überträgt sie aber nicht einfach nur Muskelkraft.
Sie funktioniert ein bisschen wie eine Feder.
Bei jedem Schritt wird Energie aufgenommen, kurzfristig gespeichert und anschließend wieder freigesetzt. Das macht unseren Laufstil effizient – stellt aber hohe Anforderungen an die Sehne.
Problematisch wird es häufig dann, wenn sich die Belastung schneller verändert als die Belastbarkeit der Sehne.
Typische Situationen kennen viele Läufer:
- Der Wochenumfang wird deutlich erhöht.
- Nach einer Pause wird zu schnell wieder eingestiegen.
- Plötzlich kommen Intervalle oder Tempodauerläufe hinzu.
- Es werden mehr Höhenmeter gelaufen.
- Zusätzlich zum Lauftraining kommen Sprünge oder intensive Kraftbelastungen hinzu.
- Die Regeneration zwischen den Belastungen reicht nicht aus.
Die Ursache einer Achillestendinopathie lässt sich trotzdem selten auf einen einzigen Faktor reduzieren. Selbst bei vermeintlich eindeutigen Risikofaktoren ist die Studienlage teilweise überraschend uneinheitlich. Ein systematischer Review fand beispielsweise nur begrenzte Evidenz für einzelne Faktoren wie eine reduzierte Plantarflexorenkraft; auch bei eingeschränkter Sprunggelenksbeweglichkeit waren die Ergebnisse nicht einheitlich.
Zur Studie / zum systematischen Review
Das ist ein wichtiger Punkt: Wir sollten nicht versuchen, jede schmerzende Achillessehne mit derselben einfachen Erklärung zu versehen.
Achillessehnenschmerz bedeutet nicht automatisch Entzündung
Auch hier gilt dasselbe wie bei vielen länger bestehenden Sehnenbeschwerden: Der Begriff „Achillessehnenentzündung“ ist häufig zu einfach.
Bei chronischen Beschwerden sprechen wir meist von einer Achillestendinopathie.
Dabei geht es nicht nur um einen klassischen Entzündungsprozess. Struktur, Stoffwechsel und Belastbarkeit der Sehne können sich verändern. Entscheidend für die Therapie wird deshalb eine andere Frage:
Welche Belastung verträgt die Sehne aktuell – und wie bringen wir sie wieder auf das Niveau, das sie beim Laufen benötigt?
Die aktuelle Clinical Practice Guideline zur Midportion-Achillestendinopathie betrachtet deshalb unter anderem Schmerzen, Beweglichkeit, Muskelkraft und Funktion und setzt auf ein individuell angepasstes Management.
Clinical Practice Guideline zur Achillestendinopathie
Erst einmal klären: Wo tut die Achillessehne weh?
Bevor wir über Übungen sprechen, müssen wir zwei häufige Varianten unterscheiden.
Bei der Midportion-Tendinopathie liegen die Beschwerden typischerweise einige Zentimeter oberhalb des Fersenbeins im mittleren Bereich der Sehne.
Bei einer insertionalen Achillestendinopathie sitzt der Schmerz dagegen direkt am Ansatz der Achillessehne am Fersenbein.
Das ist für das Training relevant. Gerade bei insertionalen Beschwerden kann starke Dorsalflexion – beispielsweise wenn die Ferse bei einem Heel Drop weit unter eine Stufe abgesenkt wird – die Kompression im Ansatzbereich erhöhen.
Deshalb gilt auch hier: Erst wissen, womit wir es zu tun haben.
Bei plötzlich einschießenden starken Schmerzen, deutlicher Schwellung, einem spürbaren oder hörbaren „Knall“, erheblichem Kraftverlust oder dem Verdacht auf eine Ruptur gehört die Achillessehne ärztlich abgeklärt.
Muss ich mit einer schmerzenden Achillessehne das Laufen einstellen?
Nicht zwangsläufig.
Eine der wichtigen Erkenntnisse der modernen Sehnenrehabilitation lautet: Komplette Ruhe ist nicht automatisch die beste Therapie.
In einer randomisierten Studie durften Patienten mit Achillestendinopathie während eines progressiven Rehabilitationsprogramms weiterlaufen und springen, sofern sie ihre Belastung anhand eines Pain-Monitoring-Modells steuerten. Eine zweite Gruppe verzichtete zunächst auf diese Belastungen. Nach zwölf Monaten hatten sich beide Gruppen deutlich verbessert; für das kontrollierte Weiterführen der sportlichen Belastung ließ sich kein negativer Effekt feststellen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht:
Augen zu und durch den Schmerz laufen.
Es bedeutet vielmehr, Belastung zu steuern.
Wie fühlt sich die Sehne während des Laufens an? Wie reagiert sie einige Stunden später? Und besonders wichtig: Wie fühlt sie sich am nächsten Morgen an?
Wird die Sehne von Einheit zu Einheit deutlich empfindlicher, nimmt die Morgensteifigkeit zu oder steigt der Schmerz, war die Belastung wahrscheinlich zu hoch. Dann reduzieren wir beispielsweise Umfang, Tempo oder anspruchsvolle Belastungen wie Intervalle und Bergläufe.
Bleibt die Reaktion dagegen stabil und gut tolerierbar, kann eine reduzierte Laufbelastung je nach individuellem Befund durchaus Bestandteil der Rehabilitation sein.
Damit wird der nächste Morgen zu einem wichtigen Feedbackinstrument: Die Sehne zeigt uns, ob die Belastung vom Vortag gepasst hat.
Das wichtigste Medikament heißt Belastung
Bei chronischen Sehnenproblemen gibt es einen Gedanken, den ich für besonders wichtig halte:
Eine Sehne wird nicht belastbarer, indem wir sie dauerhaft vor Belastung schützen.
Wir müssen zunächst die Belastung reduzieren, die sie aktuell überfordert. Gleichzeitig braucht sie aber wieder einen ausreichend starken mechanischen Reiz.
Deshalb hat sich das Verständnis der Achillessehnenrehabilitation verändert.
Früher war vor allem exzentrisches Training das große Thema. Auch ich habe während meiner aktiven Zeit unzählige exzentrische Wadenübungen gemacht.
Exzentrisches Training ist deshalb nicht falsch.
Heute betrachten wir die Sache nur breiter. Isometrische, konzentrische und exzentrische Belastungen können Bestandteil eines Programms sein. Entscheidend ist vor allem, dass die Belastung progressiv gesteigert wird.
Die aktuelle Leitlinie zur Midportion-Achillestendinopathie bildet genau diesen Ansatz ab: Belastungsübungen für die Sehne gehören zu den zentralen konservativen Maßnahmen.
Zur Clinical Practice Guideline
Mein Ansatz: mobilisieren, dehnen, kräftigen – und die Sehne versorgen
In meiner Trainerpraxis betrachte ich eine problematische Achillessehne nicht isoliert.
Ich schaue mir auch an, was darüber und darunter passiert.
Wie beweglich ist das Sprunggelenk? Gibt es deutliche Unterschiede zwischen beiden Seiten? Wie beweglich sind Wade und Fuß? Gibt es Auffälligkeiten weiter oben in der Bewegungskette?
Dabei habe ich immer wieder erlebt, dass Athleten mit hartnäckigen Achillessehnenproblemen gleichzeitig Bewegungseinschränkungen im Sprunggelenk oder auch im Bereich von Hüfte und Becken beziehungsweise ISG zeigen.
Nach entsprechender Mobilisation fühlt sich die gesamte hintere Kette teilweise freier an.
Das ist zunächst eine Beobachtung aus meiner Trainerpraxis und kein Beweis dafür, dass eine „ISG-Blockade“ eine Achillestendinopathie verursacht. Auch die wissenschaftlichen Daten zur eingeschränkten Dorsalflexion als Risikofaktor sind nicht eindeutig.
Für mich folgt daraus trotzdem ein pragmatischer Ansatz:
Nicht ausschließlich dort hinschauen, wo es weh tut.
Meine ausführlicheren Mobilisationsübungen zeige ich in einem separaten Video. Für unser tägliches Kurzprogramm konzentrieren wir uns hier auf die Dinge, die sich einfach umsetzen lassen.
Das 10–15-Minuten-Programm für die Achillessehne
Warum nur 10 bis 15 Minuten?
Nicht, weil eine Studie bewiesen hätte, dass zwölf Minuten die magische Trainingsdauer für Sehnen sind.
Sondern weil ein Programm nur funktioniert, wenn man es macht.
Viele Hobbyathleten schaffen neben Beruf, Familie und normalem Training keine zusätzliche 45-minütige Reha-Einheit. Zehn oder 15 Minuten lassen sich dagegen ziemlich leicht unterbringen.
Oft kurz ist im Alltag besser als einmal lang.
Dabei bleibt das Programm nicht über Monate identisch. Mit zunehmender Belastbarkeit steigt auch der Anspruch der Übungen.
Übung 1: Wadendehnung mit gestrecktem Knie

Stütze dich mit beiden Händen an einer Wand ab. Stelle das zu dehnende Bein nach hinten, während das andere Bein etwas weiter vorne steht.
Das hintere Knie bleibt gestreckt und die Ferse fest am Boden. Verlagere dein Gewicht langsam nach vorne, bis du eine deutliche, aber angenehme Dehnung in der Wade des hinteren Beins spürst.
Zum Beispiel:
2 × 30–45 Sekunden pro Seite.
Das Dehnen ist nicht der zentrale Heilreiz einer Tendinopathie. Besteht jedoch eine eingeschränkte Beweglichkeit, kann es als Ergänzung sinnvoll sein. Die aktuelle Leitlinie berücksichtigt Stretching insbesondere bei eingeschränkter Dorsalflexion.
Übung 2: Soleus-Dehnung mit gebeugtem Knie

Für diese Variante brauchst du eine kleine schräge Erhöhung oder einen Keil. Das Bein auf der Erhöhung ist diesmal das Bein, das wir dehnen wollen.
Stelle den Vorfuß auf die Schräge, sodass die Zehen höher stehen als die Ferse. Das andere Bein steht relativ nah dahinter und dient hauptsächlich zur Stabilisierung. Stütze dich zusätzlich mit den Händen an einer Wand ab.
Beuge nun das Knie des vorderen Beins und schiebe es kontrolliert nach vorne. Der Oberkörper bleibt dabei relativ aufrecht. Je weiter sich das Knie bei kontrollierter Fußposition nach vorne bewegt, desto stärker wird die Dorsalflexion im Sprunggelenk.
Durch das gebeugte Knie reduzieren wir den Einfluss des zweigelenkigen Gastrocnemius und setzen einen stärkeren Schwerpunkt auf den Soleus.
Halte die Position dort, wo du eine deutliche, aber angenehme Dehnung in der tieferen Wadenmuskulatur spürst.
Zum Beispiel:
2 × 30–45 Sekunden pro Seite.
Bei insertionalen Achillessehnenbeschwerden ist allerdings Vorsicht mit großer Dorsalflexion geboten. Wenn der Schmerz direkt am Ansatz am Fersenbein sitzt, sollte der Bewegungsumfang entsprechend angepasst werden.
Übung 3: Isometrisches Wadenheben mit Ball

Jetzt beginnt die eigentliche Belastungsarbeit.
Stelle dich vor eine Wand und stütze dich leicht mit den Händen ab. So musst du dich nicht um das Gleichgewicht kümmern und kannst dich auf die Waden konzentrieren.
Klemme einen kleinen Ball zwischen die Fersen. Gehe nun kontrolliert in den Zehenstand und drücke die Fersen dabei leicht gegen den Ball. In der oberen Position hältst du die Spannung.
Keine Wiederholungen – zunächst einfach halten.
Ein möglicher Einstieg:
4 × 30–45 Sekunden halten, dazwischen etwa 60–90 Sekunden Pause.
Der Ball ist dabei kein zwingender Bestandteil der Übung. Er dient vor allem als taktile Hilfe: Die Fersen bleiben zusammen und die Bewegung lässt sich kontrolliert ausführen.
Wird diese Variante problemlos toleriert, lässt sich die Belastung schrittweise erhöhen – beispielsweise durch eine stärkere Gewichtsverlagerung auf das betroffene Bein, eine einbeinige Variante oder später durch zusätzliches Gewicht.
Isometrisches Training ist dabei kein Wundermittel. Es ist vor allem eine gut kontrollierbare Möglichkeit, Belastung auf die Muskel-Sehnen-Einheit zu bringen.
Übung 4: Dynamisches Wadenheben – Belastung progressiv steigern

Im nächsten Schritt kommt Bewegung hinzu.
Der einfachste Einstieg ist ein beidbeiniges Wadenheben: Fersen kontrolliert anheben und anschließend langsam wieder absenken. Die Bewegung sollte bewusst und nicht mit Schwung ausgeführt werden.
Beispielsweise:
3 × 8–12 Wiederholungen.
Führe die Bewegung langsam aus – etwa zwei bis drei Sekunden nach oben und zwei bis drei Sekunden zurück.
Wird das problemlos toleriert, erhöhen wir die Belastung:
beidbeinig → einbeinig → Zusatzgewicht.
Unsere Abbildung zeigt bereits eine fortgeschrittenere Variante: das einbeinige Wadenheben mit leicht gebeugtem Knie.
Stütze dich mit beiden Händen an einer Wand ab. Das Standbein bleibt während der gesamten Bewegung leicht gebeugt. Das andere Bein ist vom Boden gelöst und trägt kein Gewicht.
Hebe nun die Ferse des Standbeins kontrolliert an, bis du möglichst weit auf dem Vorfuß stehst. Anschließend senkst du die Ferse langsam wieder ab. Das Knie bleibt während der Bewegung leicht gebeugt.
Durch die gebeugte Knieposition verschiebt sich der Schwerpunkt stärker in Richtung Soleus. Gerade für Läufer ist dieser Muskel interessant, weil er beim Laufen einen erheblichen Beitrag zur Kraftübertragung leistet.
Wenn auch diese Variante problemlos funktioniert, kann zusätzliches Gewicht hinzukommen.
Das Ziel lautet nicht, möglichst viele Wiederholungen zu sammeln. Die Sehne soll zunehmend höhere Belastungen tolerieren können.
Damit ist die Reha noch nicht beendet
Hier wird häufig ein Fehler gemacht.
Der Sportler kann wieder problemlos Wadenheben und denkt:
Super, dann kann ich wieder voll laufen.
Doch langsames Wadenheben und Laufen stellen völlig unterschiedliche Anforderungen an die Achillessehne.
Beim Laufen muss die Sehne innerhalb sehr kurzer Zeit hohe Kräfte aufnehmen, elastische Energie speichern und wieder abgeben – und das nicht fünfmal, sondern bei einem Dauerlauf tausendfach.
Deshalb folgt auf die langsame Kraftarbeit die nächste Stufe.
Schnellere Wadenbewegungen, Pogos und andere kleine Sprungformen können die Brücke zurück zur Laufbelastung bilden.
Erst wenn diese Belastungen gut vertragen werden, erhöhen wir systematisch Umfang, Tempo und schließlich auch anspruchsvollere Inhalte wie Bergläufe und Intervalle.
Die Reihenfolge lautet deshalb:
Belastung tolerieren → Kraft aufbauen → schnell Kraft aufnehmen und abgeben → laufen.
Und wie oft soll ich das machen?
Hier muss man zwischen einem kurzen Basisprogramm und schwerem Krafttraining unterscheiden.
Mobilität und leichte Übungen lassen sich durchaus häufig durchführen. Auch eine kurze isometrische Belastung kann relativ einfach in den Alltag integriert werden.
Je schwerer das dynamische Krafttraining wird, desto wichtiger wird allerdings auch die Regeneration.
Deshalb würde ich aus „oft kurz“ nicht „jeden Tag maximal schwer“ machen.
Die zehn bis 15 Minuten sind vielmehr unser Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens verändert sich der Inhalt entsprechend der Trainingsphase und der Belastbarkeit der Sehne.
Kollagen: Kann man eine Sehne auch von innen unterstützen?
Das Thema finde ich inzwischen besonders spannend.
Sehnen bestehen zu einem großen Teil aus Kollagen. Daraus folgt allerdings noch nicht automatisch, dass gegessenes Kollagen direkt in der Achillessehne landet und sie repariert.
So einfach funktioniert unser Körper nicht.
Inzwischen gibt es jedoch einige kontrollierte Studien, die darauf hindeuten, dass Kollagenpeptide in Verbindung mit mechanischer Belastung die Anpassung von Sehnen unterstützen könnten.
Ein 2026 veröffentlichter systematischer Review untersuchte acht randomisierte Studien mit insgesamt 257 Teilnehmern. In mehreren Studien zeigten sich zusätzliche Veränderungen des Sehnenquerschnitts beziehungsweise der mechanischen Eigenschaften. Besonders bei höheren Mengen von etwa 15 bis 30 Gramm Kollagen pro Tag fanden die Autoren positive Signale. Allerdings waren die Studien klein, die Protokolle unterschiedlich und die Untersuchungszeiträume relativ kurz.
Zum systematischen Review über Kollagen und Sehnenadaptation
Es gibt sogar eine kleine Pilotstudie speziell mit Menschen mit chronischer Midportion-Achillestendinopathie. 20 Patienten absolvierten ein strukturiertes Wadenkraft- und Return-to-Running-Programm und erhielten zusätzlich spezifische Kollagenpeptide oder Placebo. Unter Kollagen verbesserte sich die Funktion in der ersten dreimonatigen Phase stärker. Für einen endgültigen Wirksamkeitsnachweis ist die Studie viel zu klein – interessant ist das Ergebnis trotzdem.
Zur Pilotstudie mit Achillestendinopathie
Eine neuere randomisierte Studie mit gesunden Männern fand nach 16 Wochen mit täglich 10 Gramm Kollagenpeptiden außerdem eine Zunahme der gemessenen Achillessehnensteifigkeit gegenüber Placebo. Das ist keine Tendinopathie-Studie, liefert aber einen weiteren Hinweis darauf, dass Kollagenpeptide die Anpassung von Sehnen beeinflussen können.
Zur Studie über Kollagenpeptide und Achillessehnensteifigkeit
Wie viel Kollagen?
Eine exakt optimale Dosis können wir aus der bisherigen Forschung noch nicht ableiten.
Die neuere Übersichtsarbeit sieht insbesondere bei 15–30 Gramm hydrolysiertem Kollagen beziehungsweise Kollagenpeptiden in Verbindung mit Krafttraining interessante Ergebnisse. Vitamin C spielt bei der Kollagensynthese ebenfalls eine Rolle; in den untersuchten Protokollen wurden teilweise mindestens 50 mg eingesetzt. Die Autoren betonen aber selbst, dass daraus noch keine verbindliche klinische Dosierungsempfehlung entsteht.
Für mich ist deshalb die Reihenfolge wichtig:
Kollagen ergänzt den Trainingsreiz – es ersetzt ihn nicht.
Meine eigene Erfahrung mit Kollagen
Und damit zurück zu meiner Achillessehne.
Ich hatte praktisch während meiner gesamten aktiven Triathlonzeit immer wieder Probleme damit.
Natürlich habe ich trainiert. Ich habe gedehnt, gekräftigt und vor allem exzentrisch gearbeitet – das war damals der heiße Scheiß bei Achillessehnenproblemen. Ich habe Einlagen getragen und sogar längere Laufpausen eingelegt.
Trotzdem kam das Problem immer wieder.
Erst im vergangenen Jahr, lange nach meiner aktiven Triathlonzeit, bekam ich die Beschwerden wirklich in den Griff.
Zwei Dinge hatte ich dabei konsequent verändert: Ich arbeitete regelmäßig mit meinen Mobilisationsübungen und begann, täglich Kollagenpeptide einzunehmen.
Heute laufe ich seit Monaten ohne Achillessehnenbeschwerden. Und inzwischen sogar ohne Einlagen.
Kann ich daraus schließen, dass das Kollagen meine Achillessehne geheilt hat?
Nein.
Vielleicht war es das Kollagen. Vielleicht die Mobilisation. Vielleicht die Kombination aus mehreren Faktoren. Wahrscheinlich lässt sich im Nachhinein gar nicht sauber auseinanderhalten, welcher Anteil wie groß war.
Meine Erfahrung hat aber meinen Blick auf hartnäckige Sehnenprobleme verändert.
Ich würde heute nicht mehr ausschließlich fragen:
Welche Kraftübung fehlt?
Sondern:
Wie belasten wir die Sehne? Wie beweglich ist das System? Wie sieht die gesamte Bewegungskette aus? Und bekommt der Körper möglicherweise auch ernährungsseitig Unterstützung für den Umbau des Gewebes?
Prävention: Nicht erst anfangen, wenn es weh tut
Noch besser ist natürlich, wenn wir gar nicht erst bis zur Reha kommen.
Gerade Läufer ab 40 oder 50 müssen dafür nicht täglich ein halbstündiges Spezialprogramm absolvieren.
Ein paar Dinge machen bereits einen großen Unterschied:
- Laufumfänge und Intensität nicht sprunghaft erhöhen.
- Nach längeren Pausen nicht dort einsteigen, wo man aufgehört hat.
- Die Wadenmuskulatur regelmäßig kräftigen.
- Dabei Soleus und Gastrocnemius berücksichtigen.
- Beweglichkeit erhalten und individuelle Einschränkungen bearbeiten.
Und vor allem:
Krafttraining nicht erst dann beginnen, wenn die Achillessehne bereits schmerzt.
Sehnen brauchen Belastung, um belastbar zu bleiben.
Was ist mit Einlagen, Schuhen und Fersenerhöhung?
Auch diese Maßnahmen können im Einzelfall eine Rolle spielen. Eine vorübergehende Fersenerhöhung verändert beispielsweise die mechanischen Bedingungen an der Achillessehne und kann in bestimmten Situationen Beschwerden reduzieren.
Ich würde solche Hilfsmittel aber nicht automatisch zur Dauerlösung machen.
Meine eigene Geschichte ist dafür ein gutes Beispiel: Ich bin früher mit Einlagen gelaufen und laufe heute ohne sie beschwerdefrei.
Das heißt nicht, dass Einlagen grundsätzlich unnötig sind. Es zeigt nur, dass ein Hilfsmittel und die langfristige Wiederherstellung der Belastbarkeit zwei verschiedene Dinge sind.
Die Achillessehne braucht Zeit
Das ist vielleicht der unangenehmste Teil dieses Beitrags.
Muskeln und Herz-Kreislauf-System können sich relativ schnell entwickeln. Sehnen reagieren langsamer.
Deshalb sind Achillessehnenbeschwerden selten ein Problem, das man mit drei Tagen Pause und einer neuen Übung abhakt.
Die gute Nachricht lautet aber:
Eine schmerzende Achillessehne bedeutet nicht automatisch das Ende des Lauftrainings.
Wir müssen ihre aktuelle Belastbarkeit respektieren – und sie anschließend systematisch erhöhen.
Für mich besteht ein sinnvoller Ansatz deshalb aus mehreren Bausteinen:
Belastung steuern. Beweglichkeit erhalten oder verbessern. Wadenmuskulatur und Achillessehne progressiv kräftigen. Später wieder schnelle und elastische Belastungen einbauen. Und möglicherweise die Kollagensynthese ernährungsseitig unterstützen.
Nicht eine einzelne Maßnahme muss alles lösen.
Das Zusammenspiel entscheidet.
Und wenn dafür an den meisten Tagen nur zehn oder 15 Minuten zur Verfügung stehen?
Dann nutzen wir diese zehn Minuten.
Denn bei Sehnenproblemen gewinnt selten die spektakulärste Übung. Meist gewinnt das Programm, das über Wochen und Monate tatsächlich durchgeführt wird.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Diagnose oder individuelle physiotherapeutische Behandlung. Plötzlich auftretende starke Schmerzen, deutliche Schwellung, erheblicher Kraftverlust oder der Verdacht auf eine Achillessehnenruptur sollten ärztlich abgeklärt werden. Bei länger anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sollte ebenfalls eine fachliche Untersuchung erfolgen.




