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Kontinuität ist der Schlüssel zum Erfolg

Als Trainer habe ich mittlerweile ein paar Hundert Rookies seit ihrem Einstieg in den Triathlon begleitet. Dabei ist Ungeduld, einer der größten Fehler, den ich immer wieder beobachten konnte. Erfolg im Ausdauersport passiert nicht über Nacht, sondern braucht viel Fleiß, Disziplin und Geduld.

Der Triathlonsport ist ein Phänomen in unserer Zeit. Er übt auf viele Menschen einen geradezu magischen Reiz aus. Das kann man auch in Zahlen ausdrücken: Die Zahl der aktiven Triathleten wächst jährlich mit zweistelligen Raten. Kaum ein anderer Sport kann ein so rasantes Wachstum verbuchen.

Doch was macht die Faszination am Triathlon aus?

Ich denke, für vielen Einsteiger ist es auch die Bewunderung für die Stars der Szene. Jan Frodeno, Sebastian Kienle und Patrick Lange leisten schier unmenschliches beim Kampf um die Krone.

3,8km Schwimmen, 180km Radfahren und anschließend einen Marathon laufen – und das unter 8 Stunden. Für einen durchschnittlichen Büromenschen ist das unvorstellbar. Und doch wagen sich immer mehr Menschen auf die langen Distanzen. Das ist eine Entwicklung, die mir als Triathlon Coach auf der einen Seite gefällt, auf der anderen Seite aber auch nachdenklich macht.

Ist man nur ein richtiger Triathlet, wenn man einen Ironman gefinisht hat? Oder gehört man auch dazu, wenn man lieber auf der Olympischen Distanz bleibt, statt seinen Alltag auf Triathlon auszurichten?

Vergleiche dich nicht mit Profisportlern

Bei aller Bewunderung für die Leistung der Stars darf man eines nicht vergessen: Es handelt sich dabei um Profisportler, die ihr ganzes Leben aktiv Sport betrieben und schon viele tausend Stunden trainiert haben, bevor sie sich auf die Langdistanz gewagt haben.

Wieso in Gottes Namen muss jeder Rookie gleich in Roth starten? Kann man sich nicht erstmal auf der Sprint Distanz weh tun, bevor man seine Gesundheit riskiert? Den meisten Quereinsteigern ist gar nicht bewusst, was sie ihrem Körper antun, wenn sie sich von Beginn an auf die längeren Distanzen vorbereiten.

Gemäß dem Motto „höher, schneller, weiter“. Ich halte diese Entwicklung für falsch. Vom Schreibtisch zur Langdistanz ist in meinen Augen vorsätzliche Körperverletzung. Und wenn es nicht gleich ein Ironman ist, dann wenigstens ein halber.

Warum finde ich das riskant?

Es gibt in der Szene viele Layen, die mit Halbwissen und aus ihrer eigenen Euphorie für den Triathlon heraus, andere Athleten dazu anstacheln, den nächsten Schritt zu früh zu machen. Zweifle ich an, dass ein Schreibtischhengst in einem Jahr so fit werden kann, dass er eine Langdistanz finisht? Nein. Von der Fitnessseite her betrachtet, ist das kein Problem.

Was aber die meisten von uns außer Acht lassen, ist der Bewegungsapparat. Unsere Muskeln passen sich vielleicht in wenigen Monaten so an, dass die 226km einer Langdistanz ohne Probleme zu bewältigen sind.

Knorpel hat keine Nervenzellen

Mit dem passiven Bewegungsapparat, also den Sehnen, Knorpeln und Bändern, sieht es aber ganz anders aus. Unsere Gelenkknorpel brauchen 5-10 Jahre, um sich an die Stoßbelastung vom Laufen anzupassen. Steigere ich mein Laufpensum als Einsteiger zu schnell, kommt es zu unnötigem Verschleiß des hyalinen Gelenkknorpels.

Dieser Prozess geht schleichend voran und verläuft schmerz- und symptomfrei. Unser Knorpelgewebe hat nämlich keine Nervenzellen, die uns frühzeitig über die Abnutzung informieren könnten. Mitunter kann ein ambitionierter Triathloneinsteiger jahrelang schmerzfrei bleiben. Das heißt aber nicht, dass der Körper ohne Folgeschäden bleibt.

Ich habe in den letzten 10 Jahren aber auch eine Menge Triathleten erlebt, die aufgrund eines Knorpelschadens und der damit verbundenen Arthrose ihre Lauf- und Triathlonkarriere an den Nagel hängen mussten. Das ist sehr schade, denn wenn man sich Zeit lässt und geduldig ist, kann man sich in meinen Augen bis ins hohe Alter mit Triathlon fit halten.

Sprint macht schnell

Lasst euch nicht verrückt machen und setzt euch nicht selber unter Druck. Ich weiß, wie es in den Fingern juckt, wenn man die gigantische Atmosphäre in Roth einmal selbst erlebt hat. Aber bleibt vernünftig und macht einen Schritt nach dem anderen. Die erste Langdistanz läuft euch nicht weg und bis dahin könnt ihr euch auf den kurzen Distanzen die nötige Speed holen, um später beim Ironman oder der Challenge durchzustarten.

Geduld ist ohnehin eine Tugend, die Triathleten gut zu Gesicht steht. Genauso wie die Ziele manchmal überzogen sind, so ist auch bei vielen eine immense Ungeduld nach dem Trainingseinstieg zu beobachten.

Wenn das bisherige Trainingskonzept nicht in Rekordzeit den gewünschten Schub gebracht hat, wird auf ein anderes Konzept gewechselt oder der Plan um noch mehr Einheiten erweitert. Viel hilft viel. Zumindest, wenn Übertraining und Burnout das erklärte Trainingsziel ist.

Bleibe bei einem Konzept

Auf der Suche nach dem optimalen Training, habe ich mir früher auch viele verschiedene Trainingskonzepte angeschaut und nach den Killereinheiten gesucht. Es ist aber nicht die eine Killereinheit, die dich am Ende fitter macht, sondern die Kontinuität, mit der du dein Training betreibst.

Ist dir schon mal aufgefallen, dass du dich nach einer intensiven Intervalleinheit müde fühlst und nicht fitter. Auch am nächsten Tag wirst du nicht das Gefühl haben, Bäume ausreißen zu können. Das gleiche gilt für den Blick in den Spiegel. Dein Körper hat sich über Nacht nicht verändert.

Was für eine Session gilt, gilt auch für eine ganze Trainingswoche. Trotzdem verlieren erfolgreiche Athleten nicht den glauben daran, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Einheit für Einheit wird absolviert. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat.

Und nach einiger Zeit siehst du die Veränderung im Spiegel, spürst den Druck auf dem Pedal und merkst es an deinen Laufzeiten. Das Training wirkt. Es liegt aber nicht an einer einzelnen Trainingseinheit. Was dich fit gemacht hat, ist die Summe der Reize und die Zeit, die du deinem Körper gegeben hast, um sich daran anzupassen.

Also höre auf nachzudenken. Geh raus und fang einfach an. Einen Schritt nach dem anderen. Und übe dich dabei in Geduld, dann kannst du alles schaffen!

By |2018-12-12T05:03:07+00:00Dezember 12th, 2018|Uncategorized|